Steirisches Vulkanland - Archäologie

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  03 Höhensiedlungen am Riegersburger Burgberg
(Markt- und Katastralgemeinde Riegersburg)
     

Öffnungszeiten der Burg:
1.4. – 31.10.
tgl. 9:00-17:00 Uhr

Kontakt, Anfragen:

+43 (0) 3153 8346
Fax: +43 (0)3153 7438 (Büro)
bzw. 03153/82131 (Burg)
office@veste-riegersburg.at
 
www.veste-riegersburg.at


Anfahrt:

Auf der A2 (Südautobahn) von Graz in Richtung Wien bis zur Ausfahrt Gleisdorf-Süd und weiter dem Raabtal folgend auf der B 68 bis kurz vor Feldbach, wo man, der B 66 nach Nordosten folgend nach ca. 8 km den Ort Riegersburg erreicht. Der Aufgang zur Burg liegt am westlichen, der Lift am nordöstlichen Ortsende.

GPS-Koordinaten:
N 47.00121 –
E 15.93376 (Burgaufgang)

So finden Sie
die Höhensiedlung

Die weithin sichtbare und von jeder Seite der Annäherung eindrucksvoll auf den Resten eines erloschenen Vulkankegels thronende Riegersburg gilt nicht nur als ‚Wahrzeichen der Oststeiermark’, sondern auch als die steirische Burg schlechthin. In ihrem ältesten Abschnitt wurde die scheinbar aus dem Fels aufwachsende Burganlage um 1100 errichtet (erste urkundliche Erwähnung 1128), während sie ihre heutige Gestalt bekanntlich großteils der Burgherrin Katharina Elisabeth Freifrau von Galler, der berühmten ‚Gallerin’, verdankt. Daneben ist der 482 m hohe und das Umland etwa 200 m überragende Riegersburger Burgberg aber auch als sehr alte Siedlungsstelle von besonderer Bedeutung. Über Jahrtausende hinweg hat er nämlich bereits Menschen angelockt – vom ausgehenden Neolithikum bis in die Römerzeit, also etwa 3.000(!) Jahre lang –, ehe schließlich, nach ca. 700jähriger ‚Siedlungspause’, auf dem steil abfallenden Felsplateau die mittelalterliche Burg entstand. (Eigentlich müsste man ja von zwei Burgen sprechen, da die Festung bis in die Neuzeit aus den Burgen Kroneck und Lichteneck bestand ...)
Die Bedeutung des Riegersburger Burgberges als Siedlungsplatz hatte man freilich bereits seit längerem vermutet. Seit 1880 gab es immer wieder Fundmeldungen bzw. Nachrichten über Fundaufsammlungen und in der Zwischenkriegszeit war es am Osthang zu Grabungen (1926/27 unter Walter Schmid) gekommen. Dabei traten allerdings nur einige nicht zu datierende (römerzeitliche?) Hausgrundrisse zu Tage (von denen heute auch nicht mehr bekannt ist, wo genau sie sich befanden ...).
Erst die Umsetzung des Plans, an großen Teilen der bislang noch unverbauten Flächen des Burgberges Weingärten anzulegen, war schließlich der Auslöser zu archäologischen Notgrabungen, die in den Jahren 1989 und 1990 gemeinsam vom Landesmuseum Joanneum (D. Kramer) und dem Bundesdenkmalamt (B. Hebert und U. Steinklauber) durchgeführt wurden. Das dabei untersuchte Gelände befindet sich am Osthang unterhalb der Burg (Anlage von insgesamt sechs Schnitten) sowie im sog. ‚Kranzlgarten’ westlich des Pyramidentores. Durch Funde und Besiedlungsfunde konnte dabei eine erste, bis in die Kupferzeit, also ins ausgehende Neolithikum (Lasinja-Kultur) zurückreichende Siedlungstätigkeit nachgewiesen werden. Aus der nachfolgenden Bronzezeit haben sich nur relativ wenige Funde erhalten, erst aus dem Übergang von der späten Urnenfelder- zur frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) lassen sich dann wieder Spuren einer bedeutenden Siedlung nachweisen, die vermutlich den gesamten Burgberg terrassenartig umgab. Nach Schätzungen der Ausgräber erstreckte sich diese späturnenfelderzeitliche Siedlung, die wohl auch eine zentralörtliche Funktion einnahm und zu den bedeutendsten Höhensiedlungen ihrer Zeit in der Steiermark zählte, über ein Areal von rund fünfzehn Hektar; die Zahl der Einwohner dürfte an die 500 betragen haben. Die aus Holz errichteten Häuser und Hütten standen großteils auf künstlich in den Fels gehauenen Podien. Unter den zahlreichen Funden (Gefäßkeramik, Reibplatten und -steine zum ‚Mahlen’ des Getreides‚ ‚Feuerböcke’, Webstuhlgewichte, Spinnwirtel, Tonspulen, Hornzapfen, ‚Spielsteine’, Bronzenadeln, -anhänger und -pfeilspitzen, Hüttenlehmstücke, etc.), ließen sich auch verkohlte Pflanzenreste nachweisen, die einen interessanten Einblick in die damalige landwirtschaftliche Produktion gewähren: Neben einfachen Weizenarten, wie Einkorn und Emmer, standen auch Rispenhirse und Linsen als wichtige Kulturpflanzen am Speisezettel. Die letztendlich anscheinend durch eine große Brandkatastrophe gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. zerstörte Siedlung wurde nicht wieder aufgebaut.
Nach dem Untergang der großen (spät)urnenfelderzeitlichen Siedlung sind die folgenden Epochen der Hallstatt- und Latènezeit nur durch wenige Streufunde belegt. Aus der relativ kleinen latènezeitlichen Siedlung stammen allerdings seltene ostnorische Silbermünzen sowie – als Unikat in der Steiermark – ein kleines, knapp 2 cm großes gegossenes Bronzeköpfchen eines schnurrbärtigen Kelten!
Umfangreichere Siedlungstätigkeit, vor allem im oberen Bereich des Burgberges, setzte dann erst wieder in der Römerzeit ein, wobei sich diese dann allerdings – anscheinend ohne nennenswerte Unterbrechung – bis in die Spätantike nachweisen lässt. Damit handelt es sich hier aber um eine der am längsten (vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr.) durchgehend besiedelten römerzeitlichen Höhensiedlungen der Steiermark! Warum die römische Bevölkerung den doch eher schwer zugänglichen Berg als Wohnstätte wählte, anstatt, wie auch anderswo, in bequemere Tallagen zu ziehen, ist nicht geklärt. So gut wie sicher scheint hingegen, dass die römischen Bewohner des Burgfelsens einer regen Handelstätigkeit nachgingen. Das lässt sich schon anhand der zahlreichen Münzfunde (ohne Altfunde, also allein aus den Grabungen 1989/90 über 30 Stück!) belegen, wobei die letzten (eindeutig bestimmbaren) Münzen ein Prägedatum aus der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. aufweisen (geprägt unter Kaiser Valentinianus I., 364-378 n. Chr.).
Die Funde, die bei den Ausgrabungen der Jahre 1989/90 zu Tage traten, wurden in der Folge in einer archäologischen Schausammlung auf der Riegersburg im Rahmen des Burgmuseums präsentiert. Diese Schausammlung musste allerdings 1996 einer Sonderausstellung weichen, was umso bedauerlicher ist, als sie, zusammen mit den Funden aus dem Mittelalter und der beginnenden Neuzeit, einen recht guten Einblick in die wechselvolle Geschichte des Riegersburger Burgberges gewährte.
Dafür kann man sich nun beim Aufgang zur Riegersburg im sog. ‚Schreyhaus’ in einem als ‚WeinDUFTikum’ eingerichteten Raum interessanten ‚Riech-Erlebnissen’ hingeben, und zwar mit Hilfe einer Multimedia-Show, in der Bilder, Musik und Texte von verschiedensten Düften begleitet werden ... (Beim ‚Schreyhaus’ handelt es sich übrigens um ein altes, 1518 erbautes Spital und Schulhaus, an dessen Außenwand einst ein türkischer Halbmond die Stelle markierte, bis zu der die Osmanen auf ihrem – letztendlich freilich erfolglosen – Sturm auf die Riegersburg vorgedrungen waren.) Außerdem lassen sich dort römerzeitliche Weinbehältnisse, Krüge und Trinkbecher begutachten (im Original und in Kopien), die für die bereits in der Römerzeit intensiv gepflegte ‚Weinkultur’ stehen. Und man kann schließlich auch noch an einer Nachbildung den Mechanismus eines römischen Hebe-Schiebe-Schlosses erproben (fanden sich doch im Bereich der römerzeitlichen Höhensiedlung ein gut erhaltener eiserner Schubschlüssel sowie insgesamt vier weitere, ebenfalls aus Eisen gefertigte Haken- oder Schlüsselfragmente.)


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