Steirisches Vulkanland - Archäologie

Philosophie Einleitung alle Museen/Lapidarien/Fundplaetze Archaeologie aktuell Wir über uns Links

alle Museen/Lapidarien/
Fundplaetze
  11. ‚Heiliger Bezirk’ am Königsberg in Brunn bei Fehring
(Ortsgemeinde Johnsdorf-Brunn, Katastralgemeinde Johnsdorf)
     

Öffnungszeiten/
Kontakt:

Der ‚Heilige Bezirk‘ am Königsberg in Brunn bei Fehring kann ganzjährig besichtigt werden.

Anfahrt:
Von Graz über die A2 (Südautobahn) in Richtung Wien bis zur Ausfahrt Gleisdorf-Süd und dann auf der B 68 dem Raabtal in südöstlicher Richtung folgend bis Feldbach bzw. weiter (auf der B 57) bis Fehring. Von dort in nördlicher Richtung (über die Raab und Bahngeleise) auf der L 207 bis Brunn, wo man bei der Kreuzung zuerst nach rechts (in Richtung Fürstenfeld) und dann bald darauf (beim Gasthaus Schreiner bzw. dem Haus Nr. 64) nach links abbiegt. Den Tafeln ‚Römerstein’ bzw. ‚Familien Erlebnis Pfad’ folgend, geht es nun ca. 300 m steil und kurvig den Königsbergweg bergan, bis man den Fundplatz mit dem (in Kopie wieder aufgestellten) Altar erreicht.


GPS-Koordinaten:
N 46.954567° –
E 16.012133°

So finden Sie
die Fundstätte

Im Frühjahr 1937 wurde auf dem Königsberg in Brunn bei Fehring bei Rodungsarbeiten nach einem schweren Unwetter ein behauener Basalttuffstein mit lateinischer Inschrift zutage gefördert und – in der absurden Hoffnung, in seinem Inneren Schätze zu finden (!) – in mehrere Stücke zerschlagen. Der wahre Wert des gut einen Meter hohen Steinblocks lag freilich nicht in seinem Inneren verborgen, sondern in seiner Funktion als wichtiges Zeugnis für die Besiedlung des unteren Raabtals bzw. für die religiösen Bräuche seiner romanisierten, keltischen Bewohner. Wie die Inschrift des mittlerweile wieder zusammengesetzten, restaurierten und im Lapidarium des Universalmuseums Joanneum in Graz ausgestellten Altars verrät, handelt es sich um einen Weihealtar für den obersten Reichsgott der Römer, Iupiter Optimus Maximus (abgekürzt ‚I O M’), der hier außerdem noch den Beinamen ‚UXLEMITANUS’ trägt. Dieser Name aber ist für einen einheimischen, auf Anhöhen verehrten Blitz- und Wettergott überliefert, der, wegen der Ähnlichkeit seiner Funktionen, von den Römern mit Iupiter gleichgesetzt wurde (im Zuge der altbewährten interpretatio Romana).
 
Errichten ließ den Altar, wie die eher unregelmäßige Inschrift weiters verrät, ein gewisser AVR(ELIVS) CELSINVS in Erfüllung eines Gelübdes (‚EX VOTO‘), das er ‚gerne, freudig und nach Gebühr einlöste‘ (‚V S L L M’, also: ‚votum solvit libens laetus merito’). Und zwar für seinen Sohn Marcus Aurelius Celsinus, der als Soldat bei der 14. Legion, die die Beinamen ‚Gemina Martia Victrix’ trug, seinen Dienst versah. Diese Legion hatte ihr Standquartier seit Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. an der Donau in Carnuntum, ihre Ehrennamen ‚die Siegreiche’ bzw. ‚dem Kriegsgott Mars Zugehörige’ verlieh man ihr wegen ihrer Tapferkeit bei der Niederschlagung eines Aufstandes in Britannien; und ‚Gemina’, also ‚die Doppelte’, hieß sie, weil ihre Normalstärke nicht 5.000, sondern 10.000 Mann betrug.
 
Bald nach der Auffindung des Weihealtars versuchte man am Fundort ein dem ‚Iupiter Uxlemitanus’ geweihtes ‚keltisch-römisches Höhenheiligtum’ aufzudecken. Die vom Landesmuseum Joanneum durchgeführten Grabungen förderten ein von einer ca. einen Meter breiten Steinmauer umfriedetes Areal von ca. 50 x 23 Metern zutage, das als ‚Heiliger Bezirk’ interpretiert wurde. Am östlichen Rand dieses ummauerten Areals stand das eigentliche ‚Heiligtum’ bzw. der ‚Tempel’ in Form eines einfachen, auf Tuffsteinfundamenten errichteten und mit römischen Dachziegeln gedeckten Holzbaus (mit annähernd trapezförmigem Grundriss von ca. 11 x 10 Metern Seitenlänge). Im Zentrum dieses Gebäudes aber befand sich eine Pflasterung, vielleicht die Basis für den Altar, und eine steinumsäumte ‚Opfergrube’. Die z. T. auch außerhalb der Umfassungsmauer am Zufahrtsweg gelegenen weiteren Gebäude, teils aus Holz, teils aus Stein, die recht phantasievoll als ‚Versammlungsraum der Gläubigen’‚ ‚Aufbewahrungsorte für das Kultgerät und die Opfergaben’, ‚Priesterwohnung’ oder auch ‚Behausung des Tempelhüters’ gedeutet wurden, interpretiert man heute nüchterner als Rest einer Siedlung der römischen Kaiserzeit auf dem Königsberg, zu der wahrscheinlich auch ein ländliches Heiligtum gehörte. Nachdem es seine sakrale Bedeutung verloren hatte, verfiel das Heiligtum wohl allmählich, denn eine gewaltsame Zerstörung fand allem Anschein nicht statt. Heute ist auf dem Königsberg in Brunn der Grundriss des ‚Heiligen Bezirkes’ mit Steinen angedeutet und zumindest eine Kopie des Weihealtars für ‚Iupiter Uxlemitanus’ ist nun auch wieder an seinem ursprünglichen Fundort aufgestellt.


zurück          nach oben scrollen


Gestaltung: Manfred Fassold, Heinz Kranzelbinder
webdesign www.fassold.com

Disclaimer