Steirisches Vulkanland - Archäologie

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  38. Römersteine in der Pfarrkirche St. Veit am Vogau
(Marktgemeinde St. Veit in der Südsteiermark,
Katastralgemeinde St. Veit am Vogau)
     

Öffnungszeiten/
Kontakt:

Die Römersteine in der Pfarrkirche von St. Veit am Vogau können – nach rechtzeitiger telefonischer Anmeldung im Pfarramt:
+43 (0) 3453 2503 (Frau Mag. Reinprecht) – ganzjährig besichtigt werden.

Anfahrt:
Auf der A9 (Pyhrnautobahn) von Graz in Richtung Slowenien, Ausfahrt Vogau/Straß, bis St. Veit am Vogau. Die mit ihrer breiten Doppelturmfassade schon von weitem sichtbare Pfarrkirche liegt im Ortszentrum, am Kirchplatz, das Pfarramt befindet sich im barocken Pfarrhof linkerhand (westlich) der Kirche.


GPS-Koordinaten:
N 46.74666° –
E 15.62551°

So finden Sie
die Pfarrkirche St. Veit
am Vogau

Die 1748 – 1768 von dem bekannten Grazer Stadtbaumeister Josef Hueber errichtete Pfarrkirche von St. Veit am Vogau ist der größte spätbarocke Kirchenbau der Südoststeiermark. Sie ersetzt einen urkundlich bereits 1202 als ‚Sanctus Vitus de Vogan‘ genannten romanischen Vorgängerbau.
Die breit angelegte, nach Süden orientierte Hauptfassade weist zwei Flankentürme auf, die vorzügliche spätbarocke Inneneinrichtung umfasst zahlreiche Arbeiten aus dem Frühwerk des bedeutenden Bildhauers Veit Königer. Zu den wertvollsten Klangdenkmälern Österreichs zählt die 1688/89 ursprünglich für die Basilika von Mariazell erbaute und 1753 hier aufgestellte Orgel. Besonders interessant sind auch die ab 1914 von Felix Barazutti ausgeführten Deckenfresken, die u. a. das erste Auftreten kommunistischer Ideen (mit einem die Arbeiter aufwiegelnden Karl Marx!) zum Thema haben.
 
Im Zuge von Sanierungsarbeiten im Inneren des Westturms der Pfarrkirche erfolgte im Frühjahr 2004 eine kurze archäologische Grabung des Bundesdenkmalamtes. Dabei konnte in der Südostecke des Turmuntergeschosses, im barocken Mauerverband, knapp über dem noch z. T. erhaltenen romanischen Steinmauerwerk, ein als Baumaterial wiederverwendeter ‚Römerstein‘ geborgen werden. Das an der Rückseite nur grob ausgearbeitete, unten abgeschlagene und an der Vorderseite stark beschädigte Statuenfragment (erhaltene Höhe wie Breite ca. 60 Zentimeter) zeigt eine jugendliche männliche Gestalt mit lockigem Haar und Mütze vor einem gefiederten Vogelkörper. Wie aus vergleichbaren Darstellungen zu erschließen ist, handelt es sich hier wohl um die mythologische Szene der Entführung des trojanischen Prinzen Ganymed durch den Adler des Zeus auf den Olymp. (Der Sage nach verliebte sich der Göttervater Zeus in den schönen Knaben und entführte ihn auf den Olymp, wo er fortan den Göttern als Mundschenk diente. Dass sich dieses Sagenmotiv hervorragend als Symbol für die Entrückung der Seele in ein glücklicheres Jenseits eignete, liegt auf der Hand; es erklärt auch die Beliebtheit dieser Szene auf antiken Grabdenkmälern.) Ursprünglich diente die Skulptur vermutlich als Dach- oder Giebelbekrönung eines großen Grabdenkmals.
 
Ein weiterer, bis dahin unpublizierter Römerstein konnte aus dem Mauerwerk des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes des Pfarrhofes geborgen werden. Und zwar das fragmentierte Portrait (erhaltene Höhe 26 Zentimeter) einer reiferen Frau mit norischer Haube, das – dem Hintergrund nach – einst den rechten oberen Abschluss einer Grabportrait-Nische bildete.
 
Beide recht qualitätvollen, wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. stammenden Stücke können nun in einem über eine Wendeltreppe erreichbaren Raum im ersten Stock des Westturms der Pfarrkirche besichtigt werden. Neben Informationen über Kraftlinien und Erdstrahlen werden dort auf Tafeln auch interessante Erkenntnisse zur Bauforschung präsentiert.
 
Eine weitere Informationstafel zur antiken Mysterienreligion des persischen Lichtgottes Mithras ist deswegen hier aufgestellt, da bereits 1878 im Haus der St. Veiter Bäckerei Brauchert das (ca. 24 Zentimeter hohe wie breite) Marmorfragment eines Mithras-Kultbildes entdeckt worden war. Es befindet sich heute im Lapidarium des Universalmuseums Joanneum in Graz (Lap.-Nr. 138) und zeigt in einem kleinen Medaillon das Brustbild der Mondgöttin Luna/Selene (zu erkennen an der Mondsichel hinter ihrer Schulter). Zusammen mit ihrem Pendant, dem Sonnengott Sol/Helios, bildete sie die Eck-Dekoration bei den (in ihrer Komposition stets gleich gestalteten) Kultbildern mit dem Stier tötenden Mysteriengott Mithras (als Symbol des Sieges des Lichts über das Dunkel). Ein unter dem Medaillon noch erkennbares kleines Köpfchen mit phrygischer Mütze, daneben der Rest einer brennenden Fackel und eines nach oben gerissenen Stiermauls macht die Interpretation des Relieffragments eindeutig (mit erhobener Fackel war stets Cautes, mit gesenkter Cautopates wiedergegeben, beide sind die ständigen Begleiter des Mithras).
 
Trotz seiner geringen Größe und nur bruchstückhaften Erhaltung stellt dieses Relieffragment ein äußerst bedeutsames religionsgeschichtliches Dokument für die römerzeitliche Steiermark dar, bezeugt es doch, dass für die Verehrung des Mithras wohl auch im Nahbereich der Stadt Flavia Solva ein eigener Kultraum, ein Mithräum, existierte. Aus Poetovio, dem heutigen slowenischen Ptuj (Pettau) sind ja mehrere Mithräen bekannt und mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass auch an anderen Orten der Steiermark Mithras-Heiligtümer existierten. Was aber auch nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, dass der vor allem durch das Militär im gesamten römischen Imperium verbreitete Mithraskult im 3. Jahrhundert n. Chr. zur führenden Religion im Römischen Reich aufgestiegen war, ehe ihm dann der Sieg des (seit Kaiser Konstantin dem Großen tolerierten und seit Theodosius I. 391/92 zur Staats-Religion erhobenen) Christentums ein rasches und unwiderrufliches Ende bereitete.



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