Steirisches Vulkanland - Archäologie

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  21. Kupferzeitliche Siedlung in der ‚Waltra-Höhle’ bei Jamm
(Marktgemeinde St. Anna am Aigen, Katastralgemeinde Waltra)
     

Öffnungszeiten/
Kontakt:

Die ‚Waltra-Höhle‘ bei Jamm kann ganzjährig besichtigt werden.

Anfahrt:
Von Graz auf der A2 (Südautobahn) in Richtung Wien bis Gleisdorf. Dann dem Raabtal auf der B 68 in südöstlicher Richtung folgend über Feldbach bis Fehring und von dort weiter auf der L 204 (Radkersburgerstraße) nach Süden, über Kapfenstein, bis Waltra (ca. 2 km vor St. Anna am Aigen von der L 204 nach rechts in den Waltraweg, Richtung ‚Weinbau/Gästehaus Grießbacher’ abbiegen). Nach ca. 1 km in einer Kurve (bei Haus-Nr. 20) der Abzweigung geradeaus (dem Felsenweg, Wegweiser: ‚Waltrafelsen‘) folgen, bis man nach weiteren ca. 300 m das Hinweisschild ‚Waltrafelsen’ erreicht. Den Weg bis zum Waldrand (zu Fuß) kurz bergan, gelangt man nach weiteren ca. 150 m zu den eindrucksvollen, im Wald verstreut unter einer senkrechten Felswand gelegenen mächtigen Basaltfelsen.


GPS-Koordinaten:
N 46.848948° –
E 15.951675°

So finden Sie
die Fundstelle

Im Wald südwestlich von Waltra liegt unter der mächtigen, bis zu 30 Meter senkrecht aufragenden Basaltwand des ‚Waltra-Felsens’, die seit 1995 unter Denkmalschutz stehende sogenannte Waltra-Höhle bei Jamm. Tatsächlich dürfte es sich hier jedoch nicht um eine eingestürzte Höhle, sondern um einen durch einen gewaltigen Bergsturz in vorgeschichtlicher Zeit überdeckten Fundplatz einer Siedlung aus der Kupferzeit handeln.
Was sich hier vor etwa 5.500 Jahren genau abspielte, ist heute nur mehr schwer zu erahnen. Höchstwahrscheinlich aber begrub damals ein wohl durch ein Erdbeben ausgelöster gewaltiger Bergsturz die zu Füßen und im (trügerischen) Schutz der Basaltwand gelegene Siedlung unter sich, sodass sogar schon von einem ‚oststeirischen Pompeji’ die Rede war ...
 
Ob sich die Bewohner der kleinen Siedlung damals noch rechtzeitig vor den herabstürzenden, tonnenschweren Felsblöcken in Sicherheit bringen konnten, ist nicht bekannt. Fest steht allerdings, dass in den darauffolgenden Jahrtausenden keine anderen Siedlungsschichten den Fundplatz überlagerten. Zumindest seit den späten 1920er-Jahren zog er auch immer wieder die Aufmerksamkeit zuerst der ‚Hobby-Archäologen’ und Raubgräber, dann der ‚offiziellen’ Archäologie auf sich. Das in dem tonnenschweren ‚Trümmerhaufen’ entstandene, äußerst schmale Höhlensystem war (und ist) freilich nur sehr schwer zugänglich, sodass man bei den im Jahre 1935 vom Landesmuseum Joanneum erfolgten Untersuchungen auf die Hilfe besonders schlanker und zierlicher Helfer angewiesen war, die sich durch die engen Höhlengänge zu zwängen bereit waren.
 
Die so mühsam zu Tage geförderten Fundstücke bestanden hauptsächlich aus Keramikscherben mit Furchenstichverzierung, aus je einem Flach- und Lochbeil aus Grünstein, sowie, als Prunkstück, einer weitgehend intakten schwarzgrauen Henkelschale aus feingeschlämmtem Ton (mit eleganter Verzierung in Form von eingetieften Rillen und Dreiecken auf Hals und kalottenförmigem Bauch). So schwierig und umständlich sich die Fundbergung auch gestaltete, so bedeutend war ihr Ergebnis, machte sie die Waltra-Höhle doch zu einem der wichtigsten und auch international bekanntesten Fundorte der sog. Retz-Gajary-Kultur in Österreich. Dieser Kulturraum, der sich von der Slowakei über Mähren, Niederösterreich und den Südost-Alpenraum bis nach Westkroatien erstreckte, wird in die Zeit zwischen 3.900 und 3.500 v. Chr. datiert; in diesem Zeitrahmen fand auch erstmals das Kupfer als Werkstoff in der Steiermark Verbreitung.
 
Eine eingehendere archäologische Untersuchung des verschütteten Fundplatzes wäre wohl nur mit erheblichem technischem Aufwand (mittels Kränen und schwerem Bergegerät) möglich. In diesem abgelegenen und unwegsamen Gelände kommt dies aus finanziellen Gründen aber wohl kaum in Frage – vielleicht auch ein Glück für die besonders eindrucksvolle Stimmung an diesem in stiller Abgeschiedenheit ruhenden ‚verwunschenen’ Fundplatz samt seinem wildromantischen Ambiente …


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