Steirisches Vulkanland - Archäologie

Philosophie Einleitung alle Museen/Lapidarien/Fundplaetze Archaeologie aktuell Wir über uns Links

alle Museen/Lapidarien/
Fundplaetze
  30. Straden: Frühmittelalterliche Flechtwerksteine in der Filialkirche St. Sebastian
(Markt- und Katastralgemeinde Straden)
     

Öffnungszeiten/
Kontakt:
Die frühmittelalterlichen Flechtwerksteine in der Filialkirche St. Sebastian in Straden können zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten ganzjährig besichtigt werden.

Anfahrt:
Auf der A9 (Pyhrnautobahn) von Graz in Richtung Slowenien bis zur Ausfahrt Vogau/Straß und weiter auf der L 208 Richtung Bad Radkersburg bis Gosdorf. Von dort weitere ca. 12 km in nordöstlicher Richtung über Ratschendorf und Deutsch-Goritz auf der L 206 (Stradenerstraße) bis Straden. (Die letzten knapp 2 km am besten über die L 229, die Krusdorferstraße, die den Stradener Kirchberg von Westen her erklimmt). Unmittelbar südlich neben der Pfarrkirche liegt die Doppelkirche ‚St. Sebastian und Schmerzhafte Mutter Maria‘, in deren oberen Abschnitt, also in der Sebastianikirche, die Flechtwerksteine zu besichtigen sind.


GPS-Koordinaten:
N 46.805703° –
E 15.870693°

So finden Sie
die Flechtwerksteine

Aus der Zeit des frühen Mittelalters stammen die sog. Stradener Flechtwerksteine, wobei Ziersteine dieser Art für den steirischen Raum sehr selten sind. Gefunden wurden sie Mitte der 1980er-Jahre beim Einbau der Heizung im südöstlichen Teil des Pfarrhofs, der im 16. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Die Steinfragmente wurden vorerst für Römersteine gehalten und in der Umfassungsmauer des Kirchhofes eingesetzt. Seit dem Jahr 2000 sind sie nun – um sie vor schädlichen Witterungseinflüssen zu schützen – im Inneren der Sebastianikirche aufgestellt.
 
Der Name ‚Flechtwerkstein‘ leitet sich von dem charakteristischen, an Flechtarbeiten erinnernden Reliefschmuck ab. Neben dem rein dekorativen, schmückenden Element scheint sich dahinter auch ein tieferer, symbolischer Aspekt zu verbergen: Das Auf und Ab der Bänder bildet eine Art unauflösliches Geflecht, in dem sich unheilvolle und schädliche Elemente ‚verfangen‘ sollen und auf diese Weise unschädlich gemacht werden können. Angebracht wurden solche Ziersteine in Kirchen vor allem im Altarraum bzw. im Übergangsbereich vom Altar- zum Laienraum, wo sie als sog. Chorschranken den Chor vom Kirchenschiff trennten. Flechtwerksteine sind freilich keine ‚Erfindung‘ des Frühmittelalters, die Wurzeln dieser speziellen Form des Dekors liegen bereits in der christlich-römischen Spätantike und Ziersteine dieser Art wurden auch gerne von langobardischen Kunsthandwerkern und von Steinmetzen des Karolingerreiches gefertigt.
Woher die Stradener Flechtwerksteine ursprünglich stammen, lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen. Zweifellos stammen sie jedoch von einem sehr frühen Kirchenbau in Straden, der wohl noch vor der 1188 urkundlich erstmals erwähnten romanischen Pfarrkirche entstand. (Genannt wurde damals ein Pfarrer ‚Henricus de Merin‘ als Siegler einer bischöflichen Urkunde, wobei der ursprüngliche Namen Stradens ‚Merin‘ lautete; der heutige Ortsname ist erst seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich.)
 
Die Flechtwerksteine sind nun im Inneren der Sebastianikirche in einer Nische im vorderen Bereich der Südwand zu bewundern. Während der linkerhand in der Nische angebrachte Stein – obwohl bisweilen auch als Flechtwerkstein angesprochen – kein typisches Flechtwerkornament aufweist, zeigt das in der Mitte angebrachte Steinfragment ein durch ein dreigliedriges Band gebildetes Spitzoval, durch das ein ebenfalls dreigliedriges waagrechtes Band hindurchläuft. Dieses typologisch von karolingischen Formen herzuleitende Ornament findet sich außer auf Steinplastiken auch auf anderen Werken mittelalterlicher Kleinkunst. Dasselbe gilt auch für das zweite, rechts daneben befestigte größere Steinfragment: Es zeigt ein aus vier Blattvoluten zusammengesetztes Ornament (je zwei Blätter links und rechts eines ‚Mittelstammes‘), das in seiner Gesamtform an einen (hier allerdings verkehrt herum angebrachten) Lebensbaum erinnert. Als uraltes Symbol steht der Lebensbaum für die periodische Wiederkehr des Lebens bzw. die sich ständig erneuernde Lebenskraft der Natur und damit auch für den beständigen Sieg des Lebens über den Tod.
 
Ein über dem romanischen Portal von Schloss Obermureck (heute Grad Cmurek in Slowenien) eingemauertes halbkreisförmiges Tympanon (Bogenfeld) mit gut erhaltenem Flechtwerkornament zeigt ebenfalls Spitzoval- und (halbierte) Lebensbaum-Motive. Der Vergleich der Stradener Flechtwerkstein-Fragmente mit diesem Tympanon scheint insofern nicht uninteressant, als ein Angehöriger der Familie der Murecker im 13. Jahrhundert Pfarrer in Straden war ...

 


zurück          nach oben scrollen


Gestaltung: Manfred Fassold, Heinz Kranzelbinder
webdesign www.fassold.com

Disclaimer