Steirisches Vulkanland - Archäologie

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  49. Hügelgräberfelder in Benedikt v Slovenskih gorica
(Orts- und Katastralgemeinde Benedikt v Slovenskih gorica bzw. Ortsgemeinde Benedikt, Katastralgemeinde Trotkova)
     

Öffnungszeiten/
Kontakt:
Die Hügelgräberfelder im Gemeindegebiet von Benedikt v Slovenskih gorica können ganzjährig besichtigt werden.

Anfahrt:
Auf der A9 (Pyhrnautobahn) von Graz in Richtung Slowenien bis zur Ausfahrt Vogau/Straß und weiter auf der L 208 (bzw. ab Gosdorf auf der B 69) ostwärts über Halbenrain bis Bad Radkersburg. Von dort über die österreichisch-slowenische Staatsgrenze nach Gornja Radgona und weitere ca. 12 km in südwestlicher Richtung (Richtung Maribor) auf der Bundesstraße 449 (über Lomanoše und Spodnja Ščavnica) bis Benedikt v Slovenskih gorica. Am südlichen Ortsende nimmt man beim Kreisverkehr die 1. Ausfahrt rechts, in westlicher Richtung, bis man nach gut 300 m den großen Parkplatz beim Friedhof erreicht, wo auch eine Info-Tafel der ‚Archäologischen Straße Benedikt‘ (‚Arheološka cesta Benedikt‘, Station 1) steht. Die Hügelgräber selbst befinden sich in dem kleinen Wäldchen über dem Friedhof; man erreicht sie, indem man entweder (den etwas kürzeren Weg) direkt über den Friedhof geht (bislang oben geöffnet, ca. 200 m), oder die vom Parkplatz zuerst nach Norden führende Lovska Cesta und dann die von dieser nach Westen abzweigende Vrtna Ulica nimmt (ca. 350 m).


GPS-Koordinaten:
N 46.610532° –
E 15.886998°

So finden Sie
das Hügelgräberfeld


Ein weiteres, in seinen Ausmaßen noch eindrucksvolleres Hügelgräberfeld im Gemeindegebiet von Benedikt befindet sich östlich des Ortes (nördlich der Straße Richtung Negova) in der Ortschaft Trotkova. Man erreicht es entweder über die (ebenfalls sehr sehenswerte gotische) Wallfahrtskirche Sveti Trije Kralji / Heilige Drei Könige, oder, den Hügel mit der Wallfahrtskirche im Süden umgehend, indem man den Kreisverkehr am südlichen Ortsende von Benedikt nach links (3. Ausfahrt), in östlicher Richtung (Richtung Negova), verlässt. Beide Varianten führen (nach ca. 2,5 bzw. 3 km) zu dem linkerhand der Straße gelegenen bäuerlichen Gehöft Trotkova Nr. 18, wo man, bei einer weiteren Tafel der ‚Archäologischen Straße‘ (Station Nr. 4) das Auto abstellt, und die letzten ca. 200 m auf einem Feldweg leicht bergan zum Wäldchen mit den Hügelgräbern geht (Durchgang durch das Gehöft auf Anfrage – „zu den ‚gomile‘“ – bislang gerne gestattet).

GPS-Koordinaten:

N 46.601164° –
E 15.912253°


So finden Sie
das Hügelgräberfeld

Direkt über dem Ortsfriedhof von Benedikt v Slovenskih gorica (Sankt Benedikt in den Windischen Büheln) befindet sich in einem kleinen Wäldchen ein aus noch insgesamt 16 Grabhügeln bestehendes Hügelgräberfeld. Für den Besucher gut sichtbar und leicht zugänglich sind freilich nur drei größere Grabhügel im südlichen Bereich (gleich im Anschluss an den Friedhof), denn die etwa 100 Meter weiter nördlich gelegene Gruppe aus fünf größeren Tumuli bzw. eine Reihe von acht weiteren, kleineren Grabhügeln (entlang des Hügelkamms) ist wegen des dortigen dichten Unterholzes nur schwer zugänglich und auch nicht besonders gut sichtbar.
 
Aber auch bei der südlichen, gut erreichbaren und vom Gestrüpp befreiten Gruppe – hier sind mehrere Tafeln mit allgemeinen Informationen (in Slowenisch und auf Deutsch) bzw. eine Sitzgruppe aufgestellt – handelt es sich eigentlich nicht um drei, sondern nur mehr um zweieinhalb Grabhügel, da einer der Tumuli der Länge nach halbiert ist. Dies ist in diesem Fall jedoch nicht der Zerstörungswut eines besonders radikalen Raubgräbers zu ‚verdanken‘, es handelt sich vielmehr um eine didaktische Maßnahme des slowenischen Amtes für Denkmalschutz, Zweigstelle Maribor, um den interessierten Besuchern auf diese Weise das ‚Innenleben‘ eines Grabhügels zu veranschaulichen. (Mithilfe eines im Halbkreis ausgelegten Steinkreises ist auch der ehemalige Umfang der – nun ja fehlenden – östlichen Hälfte des Grabhügels angegeben.)
 
Im Rahmen eines Forschungsprojektes war hier in den Jahren 2002/2003 (unter der Leitung von Ivan Tušek) dieser ursprünglich eine Höhe von zwei Metern und einen Durchmesser von 13 Metern aufweisende Tumulus (Grabhügel Nr. 2) untersucht worden, wobei sich bald herausstellte, dass er bereits von Raubgräbern heimgesucht worden war.
 
Erhalten blieb lediglich die Grundfläche einer flach in den Boden eingegrabenen Grabgrube, die von einem Kranz aus Kieselsteinen und Sandsteinfragmenten umgeben war. Zudem fanden sich noch verstreute Kohlestückchen, Reste von Leichenbrand (also verbrannte Knochenstückchen des oder der Bestatteten) sowie Gefäßfragmente aus Keramik, wie Scherben eines Kruges mit breitem, bandartigem Griff, einer Dreifußschale bzw. von Deckeln und Töpfen unterschiedlicher Größe. Einer der größeren Töpfe wurde ursprünglich wohl als Urne verwendet, während die anderen Gefäße als Geschirr für Speisen dienten, die man dem (oder der) Verstorbenen ins Jenseits mitgegeben hatte. Eine genaue Datierung der Bestattung lässt sich mangels Metallfunden nur schwer vornehmen. Den Keramikfunden nach, die aus lokaler Produktion stammen (Verwendung fand ein Töpferton mit starker Beimischung von Kieselsand), kann die Bestattung aber wohl dem frühen 2. nachchristlichen Jahrhundert, also der provinzialrömischen Epoche zugeordnet werden. In der Hügelaufschüttung fanden sich zudem einige Fragmente hallstattzeitlicher Keramik, was darauf schließen lässt, dass es hier auch schon in der älteren Eisenzeit (8. – 5. Jahrhundert v. Chr.) menschliche Besiedlung gab und man in der römischen Epoche – wie auch andernorts bereits des öfteren zu beobachten war – auf älteren Traditionen aufbaute. Eine der Tafeln zeigt Beispiele von unterschiedlichen Geschirrformen römerzeitlicher und prähistorischer (hallstattzeitlicher) Keramik (bzw. einige auf diesen Gefäßen zu beobachtende Verzierungsmuster).
 
Die direkt am ‚halbierten‘ Tumulus angebrachte und dessen Silhouette wiedergebende Tafel zeigt in verschiedenen Braun-Schattierungen die unterschiedlichen, bei der Ausgrabung angetroffenen Schichten: Ganz unten die ‚geologische Grundlage‘ (‚geološka osnova‘), also der gewachsene Boden, dann Reste des ursprünglichen Bodens (‚ostanek nekdanjih tal‘) bzw. die in diesen eingetiefte Grabgrube mit den darin deponierten Gefäßen und darüber schließlich die Hügelaufschüttung (‚nasutje gomile‘) bzw. der Rest der Hügelaufschüttung (‚ostanek nasutje gomile‘), gestört von den massiven, durch die Raubgrabung verursachten Eingriffe, samt Einebnung der Erde (‚roparski vkop v gomilni grob s poravnavo zemljine‘). Ein größerer Topf mit Deckel (in Rekonstruktion), der wohl einst als Urne diente, nimmt nun auch wieder seinen (vermuteten) ursprünglichen Platz in der Grabgrube ein.
 
Das zweite hier zu erwähnende Hügelgräberfeld im Gemeindegebiet von Benedikt ist die in ihren Dimensionen freilich noch weit eindrucksvollere Nekropole von Trotkova. Gelegen in einem kleinen Wäldchen etwa eineinhalb Kilometer (Luftlinie) südöstlich von Benedikt, nördlich oberhalb der Straße nach Negova (Negau), umfasst sie die stattliche Zahl von 57 noch mehr oder weniger gut sichtbaren Grabhügeln, womit sie auch das größte (erhaltene) Hügelgräberfeld in Slowenien darstellt.
Die Tumuli weisen noch Höhen bis zu zwei Meter und Durchmesser von fünf bis knapp 13 Metern auf, wobei die Grabhügel in zahlreichen Fällen bereits teilweise ausgegraben wurden. An Funden kamen dabei Gefäße aus Keramik und Glas, Bronzemünzen sowie eine Aschenkiste zutage, die das Hügelgräberfeld in das erste und zweite nachchristliche Jahrhundert, also in die römische Kaiserzeit datieren. Die Aschenkiste aus hellem Sandstein (mit dachförmigem Deckel) ist knapp einen Meter lang, einen halben Meter breit und 75 Zentimeter hoch. Geborgen aus Grabhügel Nr. 28 des Hügelgräberfeldes von Trotkova, befindet sie sich heute im Pokrajinski muzej (Regionalmuseum) von Maribor.
Im dortigen Depot werden auch einige aus Benedikt stammende römerzeitliche Keramikfunde (zwei größere Töpfe, zwei Dreifußschalen und drei flache Schalen) aufbewahrt.
 
Die übrigen Stationen der ‚Archäologischen Straße‘ (‚Arheološka Cesta‘) Benedikt (initiiert wurde diese von der Gemeinde Benedikt gemeinsam mit den Historischen Vereinen ‚Slovenske gorice‘ und ‚Atlantida‘) beziehen sich auf weitere, im Umkreis von Benedikt anzutreffende vereinzelte Hügelgräber oder kleinere Hügelgräber-Gruppen (meist in den Wäldern) bzw. Fundorte, die obertägig aber keine sichtbaren Überreste aufweisen. So beispielsweise die Standorte von nicht weniger als drei (!) römerzeitlichen Gutshöfen (villae rusticae, zwei unterhalb des Hügels mit der Kirche Sveti Trije Kralji, einer bei Ihova), die Fundstelle eines 13 Millionen Jahre alten versteinerten Skeletts eines ca. zweieinhalb Meter langen Jung-Wals aus dem Miozän (das heute im Naturwissenschaftlichen Museum Sloweniens in Ljubljana aufbewahrt wird), sowie den Fundort der berühmten ‚Negauer Helme‘ beim Dorf Ženjak (Schönjak), nur knapp eineinhalb Kilometer (Luftlinie) südwestlich von Benedikt, in der Flur ‚Na klancu‘ (‚Auf dem Hügel‘).
Dort hatte der Bauer Georg Slatschegg im November 1811 beim Pflügen seines Ackers den äußerst bedeutsamen Depotfund von insgesamt 26 Bronzehelmen (aus dem 5. – 2. Jahrhundert v. Chr.) zutage gefördert. (Zur Geschichte und zum wechselvollen Schicksal dieses auch überregional beachteten Fundes vgl. hier Nr. 47.)
 
Der Großteil der ‚Negauer Helme‘ befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien und im Universalmuseum Joanneum in Graz, ein Exemplar schaffte es jedoch auch in die Sammlungen des Slowenischen Nationalmuseums in Ljubljana. Dass die berühmten Fundstücke aber weder den Namen ‚Schönjaker‘, noch ‚St. Benedikter Helme‘ erhielten, mag aus heutiger Sicht vielleicht ungerecht erscheinen, ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass dieses Gebiet (samt seinen Untertanen) damals noch zur gräflich Trauttmannsdorffschen Herrschaft Negau (Negova) gehörte und sich diese Fundortbezeichnung deshalb so auch in der Wissenschaft durchsetzte ...

 


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